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 Was machen Segelflieger eigentlich im Winter?
Baustunden, Baustunden und nochmal Baustunden ?? Gewiss – aber nicht nur !!
Am 25. Januar 2009 trafen sich, wie in den beiden Jahren zuvor, Aeroclubler und interessierte Familienangehörige mit Waldführerin Nele Dietz zu einer Wanderung im Nationalpark Harz.
Unsere Autos ließen wir auf dem großen Parkplatz in Bad Harzburg und gingen am Flüsschen „Radau“ entlang zur Talstation der Seilbahn. Dort entschlossen wir uns (20 Menschen und ein Hund) dann aber alle, den „Burgberg“ zu Fuß zu erklimmen. Der Weg war schneefrei. Ein zeitgerecht aufgezogenes Zwischenhoch bescherte uns Sonne und blauen Himmel (Wenn Engel reisen,...) und wir stiefelten in Gespräche vertieft bergan. So ungefähr nach einer halben Stunde erreichten wir die Holzfigur des St. Antonius auf dem gleichnamigen Platz. Schon 200 Meter Höhengewinn, wurde stolz festgestellt. (Das Nachrechnen ergab allerdings nur einen Steigwert von ca. 0,1 m/sec und lässt Segelflieger eher an Zitterflüge mit sehr schwacher Thermik denken).
Über die „Säperstelle“ (hochdeutsch: Holzentrindungsplatz) ging´s weiter in Richtung „Kreuz des deutschen Ostens“. Jetzt kam unsere Waldführerin Nele in Fahrt. „Tierspuren“ waren ja das verabredete Thema. Solche galt es nun zu entdecken und zu deuten. Da war es gut, dass in der mittleren Höhe (500 m) immer öfter Schnee lag. Hasen-, Reh- und Rotwildspuren waren leicht zu unterscheiden. Schwerer schon die Frage, ob ein zerrupfter Zapfen vom Eichhörnchen oder von einer Maus bearbeitet worden war. Auch Borkenkäferlöcher und Spuren von Wildverbiss lassen sich an den Bäumen ausmachen – wenn man weiß, wie sie aussehen.
Eindeutig menschengemacht dagegen das „Kreuz des deutschen Ostens“. Es wurde erstmals 1950 auf den „Uhlenklippen“ als Mahnmal errichtet. Im März 1998 riss es ein Orkan um und im Sept. 2000 wurde eine neue Stahl-Holzkonstruktion wieder aufgestellt als „Stätte des Gedenkens an Vertreibung und Heimatverlust, Stätte der Ablehnung jeder Gewaltherrschaft, Stätte der Verständigung, der Versöhnung und des Friedens“.
Nur kurz genossen wir die gute Aussicht auf das friedliche Bad Harzburg und folgten vielen leicht erkennbaren Menschen- und Hundespuren in Richtung Luchsgehege.
Wir waren nicht mehr weit davon entfernt, als eine der Spuren im Schnee bei Nele begeistertes Interesse weckte. Wir mochten es kaum glauben, dass diese Fährte am Wegrand die Spur eines frei lebenden Luchses sein sollte. Immerhin 50 Tiere gibt es inzwischen im Harz. (Nele Dietz hat nach der Wanderung diese Spur gemeldet. Ole Anders, Leiter des Luchsprojektes im Harz, hat sich dafür bedankt und bald darauf die Spur bestätigt. Die Ranzzeit der Luchse beginnt jetzt und da kommen die Kuder, das sind die männlichen Tiere, von weit her und schleichen um das Gehege, in dem die Luchsinnen sitzen.) Auch am Gehege hatten wir Glück: Obwohl kein Fütterungstermin war, zeigte sich Herr Luchs, ließ sich von der winterlichen Sonne wärmen und blickte von seinem Ruheplatz herablassend auf soviel Menschheit hinter Gittern.
Voller Eindrücke aber mit leerem Magen eilten wir dann zur Gaststätte bei den „Rabenklippen“. Wie gut, dass unsere Waldführerin uns dort angemeldet hatte! Der Laden war voll! Wir aber bekamen einen Tisch, sonnenbeschienen und mit direktem Blick auf den Brocken. Einfach super!! Das Essen wurde schnell serviert und schmeckte.Nachdem wir genüsslich unsere Kauwerkzeuge betätigt hatten, zauberte unsere Nele aus ihrem Gepäck noch allerlei Tierisches. Besondere Anerkennung fanden die Sammlung gut erhaltener Kieferknochen verschiedener Herkunft und ein kleines Bestimmungsbuch für Fährten. Jeder durfte sich ein solches Heft mitnehmen.
Rückwege können ja langweilig sein. Unserer war´s aber nicht.
Erst zogen wir weiter durch den sonnenbeschienenen winterlichen Wald, legten noch eine Rast ein, um die mitgeführten Mengen an Glühwein nicht wieder mit nach Hause zu bringen.
An der „Tiefen Kohlstelle“ wurde dann aber ganz basisdemokratisch entschieden, den kürzesten Weg ´runter zum Parkplatz zu wählen. Wer konnte denn ahnen, dass dieser Weg je tiefer desto mehr vereist war? Vielleicht hätte uns der Name „Rodelbahn“ warnen sollen. Manche Passagen waren leicht angetaut und so sehr glatt, dass wir uns nur am Rande durch Schnee und niederes Gestrüpp vorwärts hangeln konnten. Einen Arzt hatten wir ja bei uns. Unter Uwes besorgtem Blick zeigten wir unfreiwillige Schlittervorführungen mit katastrophalen Haltungsnoten, aber es blieben alle Knochen heil.
Ende gut –alles gut! Das stellten wir zurück auf dem Parkplatz einhellig fest, spendeten gernfür den Nationalpark und schieden mit ganz herzlichem Dank von Waldführerin Nele Dietz, die - neudeutsch gesprochen – einen wirklich guten Job gemacht hat.
Und nächstes Jahr ...... ? Darüber reden wir später.
Erstmal sehen wir uns nächstes Wochenende bei den ...... Baustunden!!!
H.-U. Braun
...... und hier gibt’s Bilder von der Wanderung
Dringend notwendige nachträgliche Klarstellungen :
1. Der Verfasser dieser Ausflugsbeschreibung fühlte sich auf dem Antoniusplatz und dem dort beginnenden „Besinnungspfad“ dazu hingerissen, den Mitwandernden über den Heiligen Antonius (geboren 251) zu erzählen, welcher als Eremit durch die Erscheinung aufreizender weiblicher Personen schwersten Versuchungen ausgesetzt wurde. Weil aber eine dieser Erscheinungen ihm mit einem Schweinskopf entgegentrat, erkannte Antonius die List des Bösen, blieb fortan gefeit gegen solcherlei menschliche Schwäche und erhielt später den Beinamen „Säu-Toni“. Die wandernden Flieger wollten sich nicht so recht für das Eremitenleben begeistern lassen, was aber als verzeihlich durchgehen kann, denn: Durch das Internet bin ich inzwischen belehrt worden, dass der andere St. Antonius (Es gibt wirklich zwei!) gemeint sein könnte. Nämlich: der Antonius von Padua (geb.1195), der Helfer all derer, die etwas verloren haben und nun danach suchen müssen. Dieser Heilige, zur Unterscheidung vom „Säu-Toni“ volkstümlich „Schlamper-Toni“ gerufen, steht uns - den ständig nach „Bärten“ suchenden Fliegern - ja viel näher. Gell?
2. Nach der Mahlzeit im Restaurant zeigte uns Waldführerin Nele auch von Eichhörnchen geleerte Waldfrüchte. Waren es Eicheln oder Haselnüsse, wie etliche von uns meinten? Nele hat die Teile zu Hause genauer untersucht. Ergebnis: Es waren doch Eicheln, wie sie gesagt hatte.
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